An der Schnittstelle von Konzeption und profundem Handwerk. Ein Besuch in der Werkstatt von Matthias Laggner garantiert Kurzweil und eine andere Sichtweise auf alte Möbel im Allgemeinen und Sitzgelegenheiten im Speziellen.   

Der Klimagipfel in Kopenhagen ist Namensgeber und  spiritus rector für den Sessel einer limitierten Ausgabe 00/09 Stühlen. Das heute so oft in den Mund genommene Wort "Nachhaltigkeit" ist hier keine leere Worthülse, sondern der Restaurierung von alten Möbeln innewohnend. Es wird kein Baum mehr gefällt oder Emissionen in der Erzeugung freigesetzt. Die eingestanzten Ziffern an der Unterseite der Sitzfläche und ein Zertifikat, weisen dieses Möbel als Unikat aus.

MOTLEY STOOL  Modell: blues 00   Privatbesitz und ist unverkäuflich.

MOTLEY CHAIR  Modell:  scarlet  01  wurde am 19.01.2015 verkauft.  

MOTLEY CHAIR  Modell: papageno 02   wurde am 24.06. 2015 verkauft.

MOTLEY CHAIR  Modell: salt & pepper 03  wurde am 24.02. 2016 verkauft.

MOTLEY CHAIR  Modell: flamingo 04  ist fertig und ausgestellt.


Anonymus oder ein Sessel ohne Namen...

Die Recherche über den Entwurf und Gestaltung liefert kein zufriedenstellendes Ergebnis. Provenienz und Alter werden im Alpenraum vor ungefähr 100 Jahren verortet. Ein Alltagsgegenstand, der mehr Aufmerksamkeit verdient und zu Unrecht in der Anonymität verschwindet. Was der Shaker-Stuhl für die Amerikaner ist, sollte der "Anonymus" für uns sein, denn alle Kriterien, welche auf die Möbel der protestantischen Freikirche zutreffen, gelten auch für den hier zu besprechenden Sessel. Kein Firlefanz oder überflüssige Ornamentik. Schlicht und einfach, jedoch nicht ohne Raffinesse in der Konstruktion. Welcher Tischler, Zimmermann oder ein geschickter Handwerker, diesen Stuhl als Prototyp entworfen und erzeugt hat, möge mit dieser Publikation und Konzeptionsbearbeitung der Vergessenheit entrissen werden. Hiermit ein aufrichtiges Dankeschön von uns Alpenbewohnern. startseite


 

... zur Konstruktion

Das massive Buchenholz, langsam und über Jahrzehnte gewachsen mit dichten Jahresringen, offensichtlich im richtigen "Schein" geschlagen und luftgetrocknet, bildet das Grundmaterial. Die Sitzfläche besteht aus sieben einzelnen abgerundeten Lamellen, die unabhängig voneinander und mit einem kleinen Abstand mittels Schrauben befestigt wird. Somit ist ein Austausch aller Sitzbretter jederzeit möglich. Das "Arbeiten des Holzes" wird dadurch verhindert und die Fläche optisch aufgewertet - ganz nach dem Motto - form follows function. Die Bretter sind konkav gehobelt um einen besseren Sitzkomfort zu erzielen. Die hintere Lamelle ist für die Konstruktion mit der Lehne mittels fortführenden Holzdübeln zuständig. Der waagrechte Oberteil der Lehne ist mit zwei Holznägeln verleimt. Die Sprossen verlaufen an beiden Enden konisch und bilden somit die Leimstellen für eine fachgerechte Stabilisierung. Insgesamt 23 Teile aus massiver Weißbuche zusammengefügt ergeben ein Resultat, dass funktional und ästhetisch, keinen Vergleich scheut! startseite

... von der Idee zur Umsetzung

Das Konzept und Wertschätzung dieses Sessels, wird nun in der Bearbeitung der Oberfläche realisiert. Mit Oberflächenbehandlung, meint Herr Laggner die Königsdisziplin: SCHELLLACKPOLITUR  Ein Unterfangen angesichts der vielen einzelnen und kleinen Teile. Doch bevor dieses Verfahren, dass viele Jahre an Übung und Erfahrung braucht, angewendet wird, gilt es schadhafte Holzstellen auszubessern um nachher den vierfachen Holzschliff von 100-150-180-240 anzuwenden. Der 240er Schliff ist ein Wasserschleifverfahren. Nun wird das Holz in der jeweiligen Farbe gebeizt und nach erforderlicher Trocknung der erste Vorgang zum Politieren eingeleitet. Nach einer perfekten Grundierung mit Bimsmehl, wird ein Tag später die erste Schicht draufpolitiert. Diese Vorgänge werden so lange wiederholt, bis eine einwandfreie Oberfläche und beständiger Glanz entstehen. Dann geht es an das Auspolitieren und alle Teile sind nun randlos politiert und werden nach mehrtägiger Aushärtung zusammengefügt bzw. geleimt. Nicht sichtbare Teile werden mit Leinöl eingeschliffen. Abschließend werden Fußbodenschoner aus Linoleum angeleimt.Die gesamte Abeit wird von Hand ausgeführt und ist dem entsprechend zeitintensiv.

Der Autor dieses Textes empfiehlt Interessierten, dieses Sitzmöbel unbedingt vorort anzuschauen, um sich ein eigenes Bild von der Qualität zu machen. Der Preis ist angemessen und es werden die Arbeitszeit, Anschaffungspreis und Material verrechnet. startseite text: Egon Alter